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Wenn der Kiefer nicht loslässt
Kieferschmerzen, Knacken oder Zähneknirschen: Wie ich als Osteopathin in Bielefeld den Kiefer im Zusammenhang mit Nacken und Haltung betrachte.
Inhalt
Kurz nach dem Aufwachen. Der Nacken fühlt sich an wie festgeschraubt, die Schläfen drücken, und beim ersten Gähnen bleibt der Mund auf halbem Weg hängen. An den Kiefer denkt dabei fast niemand.
Beim nächsten Zahnarzttermin fällt dann ein Satz, den ich in Gesprächen immer wieder höre: Ihre Zähne zeigen Abriebspuren. Der Kiefer hat nachts weitergearbeitet, während alles andere geruht hat.
Ein kurzer Moment, bevor Sie weiterlesen
Lassen Sie den Unterkiefer locker hängen. Berühren sich Ihre Zahnreihen gerade, oder liegt ein Spalt dazwischen?
In entspanntem Zustand haben die Zähne normalerweise keinen Kontakt. Sie kommen beim Kauen und beim Schlucken zusammen, sonst nicht. Wenn Sie beim Lesen gerade gemerkt haben, dass Ihre Zähne aufeinanderstehen, ist das für sich genommen noch keine Diagnose. Aber es ist ein guter Grund, in den nächsten Tagen genauer hinzuspüren.
CMD, kurz erklärt
CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion. Dahinter steckt eine Sammelbezeichnung für Beschwerden, die vom Kiefergelenk und der Kaumuskulatur ausgehen: Schmerzen vor dem Ohr, ein Knacken oder Reiben beim Öffnen, eine Mundöffnung, die nicht mehr weit genug wird, Druck in den Schläfen, Verspannung im Nacken.
Ob die Beschwerden tatsächlich vom Kiefer kommen, klärt eine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Der Begriff allein ersetzt keine Abklärung. Wie ich bei Nacken-, Kopf- und Kieferbeschwerden arbeite, steht auf der Seite Nacken, Kopf und Kiefer.
Warum ich nie nur auf den Kiefer schaue
Das Kiefergelenk gehört zu den beweglichsten Gelenken des Körpers, und es hat kaum Pause. Sie sprechen damit, Sie kauen damit, und Sie schlucken mehrere hundert Mal am Tag.
Dazu kommt seine Nachbarschaft. Die Kaumuskulatur ist über Faszienzüge mit der Nackenmuskulatur verbunden. Die oberen Kopfgelenke liegen unmittelbar daneben. Über den Zungenbeinapparat reicht die Verbindung bis in den Brustkorb hinunter.
Deshalb untersuche ich nicht nur den Kiefer, sondern auch sein Verhältnis zu Kopfgelenken, Halswirbelsäule, Atmung und Haltung. Die deutlichste Bewegungseinschränkung sitzt nicht immer dort, wo der Schmerz ankommt.
Wie eine Untersuchung bei mir abläuft
Zuerst reden wir. Wann treten die Beschwerden auf, gibt es zahnärztliche Vorbefunde, wurde schon eine Schiene angepasst, gab es Unfälle, Operationen oder eine kieferorthopädische Behandlung. Diese Vorgeschichte entscheidet oft mehr als alles, was ich anschließend ertaste.
Danach prüfe ich die Beweglichkeit von Kiefergelenk, Halswirbelsäule und Brustkorb sowie die Spannung der beteiligten Muskulatur.
Welche Techniken ich dann wähle, hängt vom Befund ab. Das kann die Kaumuskulatur betreffen, die Kopfgelenke, den Übergang zum Nacken oder die Atmung. Ich erkläre Ihnen vorher, was ich vorhabe, und beginne erst, wenn Sie einverstanden sind. Wenn Ihnen etwas unangenehm ist, halte ich an. Sie müssen das nicht begründen.
Wie ein Termin insgesamt aufgebaut ist, habe ich unter Der erste Termin beschrieben.
Wo meine Arbeit aufhört
Ich ersetze keine zahnärztliche Behandlung. Eine Aufbissschiene, die Versorgung von Zähnen, eine kieferorthopädische Planung: All das gehört in die Hand der Zahnmedizin. Ich arbeite daneben, an der Beweglichkeit und an der Spannungsverteilung in der Region.
Dafür stehe ich im Austausch mit zahnärztlichen und kieferorthopädischen Praxen in Bielefeld. Zeigt sich im Verlauf, dass die Ursache eher bei den Zähnen oder der Bisslage liegt, sage ich Ihnen das und lege Ihnen nahe, dort weiter abklären zu lassen. Umgekehrt ist es mir lieb, wenn Sie vorhandene Befunde und Ihre Schiene zum Termin mitbringen.
Wann Sie nicht zu mir, sondern zum Arzt sollten
Bei plötzlich auftretenden, sehr starken Schmerzen. Bei einer Kiefersperre. Bei Schwellungen oder Fieber. Nach einem Sturz auf das Gesicht. Und immer dann, wenn Beschwerden sich rasch verschlechtern.
In diesen Fällen bin ich nicht die richtige erste Anlaufstelle. Das sage ich Ihnen auch offen, wenn Sie bereits bei mir auf der Liege sitzen.
Was Sie ab heute beobachten können
Der Kiefer gehört zu den Regionen, die man selbst am wenigsten bewusst wahrnimmt. Genau deshalb fällt es so schwer, eine morgendliche Verspannung überhaupt mit ihm in Verbindung zu bringen.
Achten Sie in den nächsten Tagen auf drei Dinge. In welchen Situationen pressen Sie die Zähne aufeinander, am Steuer, vor dem Bildschirm, beim Einschlafen? Wie oft ertappen Sie sich dabei, dass die Zahnreihen Kontakt haben? Und wie unterscheidet sich das Öffnen am Morgen von dem am Abend?
Das ist keine Diagnose. Aber es ist eine deutlich bessere Grundlage für das erste Gespräch als der Satz, dass irgendwie alles verspannt ist. Und es kostet nichts außer ein wenig Aufmerksamkeit.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnostik und Therapie. Die Wirksamkeit der Osteopathie ist wissenschaftlich nicht für alle Beschwerdebilder belegt und wird in der Medizin unterschiedlich beurteilt.